Rede bei feminism unlimited 08. März 2025

English version below!

Hallo! Mein Name ist Nathalie Rettenbacher. Ich spreche heute für Trans Femme Fatale hier.

Heute ist der internationale feministische Kampftag. Heute ist der internationale Frauenkampftag.

Wir müssen uns den Begriff Frauenkampftag nicht wegnehmen lassen. Zu einem sehr, sehr großen Teil haben Frauen diesen Tag erkämpft.

Und Frauen sind hier.

Neben nicht-binären und inter* Personen, trans und inter* Männern sind vor allem Frauen bedroht.

Cis und trans Frauen.

Wir trans Frauen müssen uns mit cis Frauen und allen anderen, die körperliche Selbstbestimmung auch betrifft, solidarisieren. Gemeinsam sind wir mehr. Wir sind alle Feindbild der Faschos, der FPÖ, der katholischen Kirche, der Aktion Leben. Wenn trans Frauen für den Zugang für Abtreibung kämpfen, kämpfen sie für ihre eigenen Rechte, wenn cis Frauen für den Zugang zu Hormonersatztherapie für trans Frauen kämpfen, dann kämpfen sie für ihre eigenen Rechte.

Eine Bekannte, eine cis Frau in der Menopause, hat mir eine Flasche Estrogel in die Hand gedrückt, nachdem ich mit ihr über die Nicht- und Unterversorgung von trans Frauen mit Hormonen gesprochen habe. Eine kleine Geste, aber die Bedeutung für mich persönlich war unermesslich. Ich finde, wir brauchen uns nicht verstecken, wir müssen Strukturen schaffen, die unabhängig sind, von einem Staat, der schon immer Kontinuitäten zu Faschismus hatte, der noch faschistischer wird, der uns immer schon vorschreiben wollte, was wir dürfen und was nicht.

Wir müssen solidarisch sein mit der kurdischen Frau, die abgeschoben wird.

Wir müssen solidarisch sein mit der trans Teenagerin am Land, die sich das Leben nehmen will, weil sie keinen anderen Ausweg sieht.

Wir müssen solidarisch mit der nicht binären Person sein, die nicht ernst genommen wird in trans Spaces, weil sie diese oder jene medizinische Maßnahme nicht ergreifen will.

Wir müssen solidarisch sein mit der behinderten Frau, die nicht teilnehmen kann, weil wir nicht auf die Barrieren achten, die sie daran hindern.

Wir müssen solidarisch sein mit der Bäuerin am Land, deren Mann gewalttätig ist.

Wir müssen solidarisch sein mit dem inter* Kind, deren Geschlecht von außen gewaltsam bestimmt wird.

Wir müssen solidarisch sein mit der Studentin, die sich die Abtreibung nicht leisten kann.

Wir müssen solidarisch sein mit dem trans Mann im Altenheim, dem das Geschlecht abgesprochen wird.

Wir müssen solidarisch sein mit dem nichtbinären Elternteil, der gezwungenermaßen als Mutter eingetragen wird in der Geburtsurkunde seines Kindes.

Wir müssen solidarisch sein mit der Jüdin, wenn SS-Lieder-singende Burschenschafter mit Vernichtungsfantasien bereits in Landesregierungen sitzen.

Wir müssen solidarisch sein mit der Muslima mit Hijab, die aufgrund des Rassismus der Mehrheitsgesellschaft den Job nicht bekommt.

Wir müssen solidarisch sein mit der Ex-Muslima, die den Hijab ablegt, und von ihrer Familie deswegen verachtet wird.

Wir müssen solidarisch sein mit der Sexarbeiterin, die immer und immer wieder, amtlich verordnet, entwürdigende Untersuchungen über sich ergehen lassen muss, um ihrer Arbeit nachzugehen.

Wir müssen solidarisch sein mit der Schwarzen trans Frau, die in mehrheitlich weißen trans Räumen Rassismus ausgesetzt ist.

Wir müssen solidarisch sein mit der Migrantin, der hier, wie jeder fünften Person in Österreich, das Wahlrecht aufgrund rassistischer und klassenbezogener Staatsbürgerschaftsgesetze verwehrt wird.

Wir müssen solidarisch sein mit der Frau auf der Flucht, die brutalster Gewalt seitens Frontex und Polizei ausgesetzt ist.

Wir müssen solidarisch sein mit der Arbeiterin im globalen Süden, die wir für unseren Wohlstand hier in Österreich ausbeuten.

Wir müssen solidarisch sein mit der alten palästinensischen Frau, der, eingesperrt im Gazastreifen, seit 75 Jahren die Rückkehr in ihren Heimatort verwehrt wird.

Wir müssen solidarisch sein mit den Frauen im Kongo, mit Palästinenserinnen im Westjordanland, indigenen Frauen in Nicaragua, Ukrainerinnen in russisch besetzten Gebieten und so so so vielen mehr, die vertrieben werden und akut von Genozid bedroht sind bzw. mitten in einem leben.

Der Faschismus ist auf der ganzen Welt auf dem Vormarsch, und als Feministinnen müssen wir uns zusammentun, um alle zu verteidigen, die im Fadenkreuz stehen. Entweder ist unser Feminismus intersektional, oder er ist Bullshit. Wir müssen für alle Frauen und alle, die von Sexismus betroffen sind, kämpfen. Keine von uns ist frei, solange wir nicht alle frei sind!

Im FPÖ-Wahlprogramm steht:

“Daher verwehren wir uns gegen permanente Transgender-Gehirnwäsche, die letztlich nur auf eine Zersetzung unserer gesellschaftlichen Grundlagen abzielt.”

Grundlagen wie Rassismus und Sexismus, Antisemitismus, Ableismus und Homo- Transfeindlichkeit. Kontinuitäten, die sich seit der Nazizeit und seit eh immer durchziehen.

Auf die Zersetzung dieser gesellschaftlichen Grundlagen ziel ich ab mit meiner Transgender-Gehirnwäsche. Diese Grundlage “Vaterland”, wie die FPÖ sie hat, möchte ich zersetzen. Coole Kids haben kein Vaterland.

Lasst uns gemeinsam ein Gegenmodell gegen diesen Bullshit bilden. Und zwar für alle von uns, nicht nur einige.

Menschlichkeit. Solidarität.

Danke.


English Version:

Hello! My name is Nathalie Rettenbacher.
I am speaking today for Trans Femme Fatale.Today is International Feminism Struggle Day (feministischer Kampftag), or International Women’s Struggle Day (Internationaler Frauenkampftag)

We don’t have to not let the term „Women’s Struggle Day“ be taken away from us. To a very, very large extent, women have fought for this day.

And women are here.

Alongside non-binary and intersex people, trans and intersex men, it is primarily women who are threatened.

Cis and trans women.

We trans women must stand in solidarity with cis women and everyone else whose bodily autonomy is threatened. Together, we are stronger. We are all under fire from the fascists, the FPÖ, the Catholic Church, and the Aktion Leben. When trans women fight for access to abortion, they are fighting for their own rights. When cis women fight for access to hormone replacement therapy for trans women, they are fighting for their own rights.

A friend, a cis woman in menopause, handed me a bottle of Estrogel after I spoke with her about how difficult it is for trans women to get hormones. It was a small gesture, but its significance for me personally was immeasurable. I think we don’t need to hide; we must create structures that are independent of a state that has always had continuities with fascism, which is becoming more fascist, and which has always wanted to dictate what we can and cannot do.

We must stand in solidarity with the Kurdish woman who is facing deportation.

We must stand in solidarity with the trans teenager in the countryside who wants to take their life because they see no other way out.

We must stand in solidarity with the non-binary person who is not taken seriously in trans spaces because they don’t want to undergo certain medical procedures.

We must stand in solidarity with the disabled woman who cannot participate because we don’t pay attention to the barriers that keep her out.

We must stand in solidarity with the farmer’s wife in the countryside whose husband is violent.

We must stand in solidarity with the intersex child whose gender is forcibly determined by others.

We must stand in solidarity with the student who cannot afford an abortion.

We must stand in solidarity with the trans man in the nursing home who is denied his gender.

We must stand in solidarity with the non-binary parent who is forced to be registered as a mother on their child’s birth certificate.

We must stand in solidarity with the Jewish woman living in a country where far-right fraternity members with SS songbooks and genocidal fantasies sit in state governments.

We must stand in solidarity with the Muslim woman wearing a hijab who can’t get a job due to the racism of mainstream society.

We must stand in solidarity with the ex-Muslim woman who takes off her hijab and is despised by her family for doing so.

We must stand in solidarity with the sex worker who is repeatedly subjected to degrading examinations by the authorities in order to be allowed to work.

We must stand in solidarity with the Black trans woman who faces racism in predominantly white trans spaces.

We must stand in solidarity with the migrant woman who is denied the right to vote, like one in five people in Austria, due to racist and classist citizenship laws.

We must stand in solidarity with the refugee woman who is exposed to brutal violence by the police and Frontex.

We must stand in solidarity with the working woman in the Global South who is exploited for the sake of our prosperity here in Austria.

We must stand in solidarity with the elderly Palestinian woman living under siege in the Gaza Strip, who has been denied the right to return to her home for 75 years.

We must stand in solidarity with Congolese women, with Palestinian women in the West Bank, indigenous women in Nicaragua, Ukrainian women in Russian-occupied territories, and so many more who are displaced and acutely threatened by genocide or living in the midst of it.

Fascism is on the march worldwide, and as feminists, we must come together to defend everyone who’s in their crosshairs. Either our feminism is intersectional, or it’s bullshit. We must fight for all women and all those affected by sexism. None of us are free until all of us are free!

The FPÖ’s platform states:

„We therefore reject permanent transgender brainwashing, which ultimately aims to undermine the foundations of our society.“ (“Daher verwehren wir uns gegen permanente Transgender-Gehirnwäsche, die letztlich nur auf eine Zersetzung unserer gesellschaftlichen Grundlagen abzielt.”)

Foundations like racism and sexism, anti-Semitism, ableism, and homo/transphobia. Continuities that have persisted since the Nazi era and even before.

I aim to undermine these societal foundations with my transgender „brainwashing.“ I want to undermine this foundation of „fatherland,“ as the FPÖ has it. Cool kids don’t have a fatherland.

Let’s build a counter-model against this bullshit, together. Not just for some of us, but for all of us.

Humanity. Solidarity.

Thank you.