Rede bei take back the streets 8. März 2025

English Version below

Wir demonstrieren heute, weil der Kampf für feministische Befreiung nicht nur ein Kampf für einige, sondern für uns alle sein muss. Jede Einzelne hier ist tagtäglich patriarchaler Gewalt ausgesetzt. Frauen, Enbys und trans Menschen – Lasst uns gemeinsam kämpfen. Wir lassen uns nicht spalten!

Wir fühlen uns nicht mehr sicher. Lasst uns auch für all jene demonstrieren, die unsichtbar sind – sein wollen oder es müssen. Wir lassen uns nicht spalten! Der feministische Kampf gilt auch trans Menschen, Enbys und inter* Personen.

Lasst uns auch für all jene demonstrieren, die nicht auf die Straßen gehen können oder wollen – denen dazu Kraft, Spoons, Zeit oder Zugang fehlt. Auch wegen und vor allem für sie ist ein gemeinsamer Kampf wichtig. Wir lassen uns nicht spalten!

Die Berichterstattung über uns lebt von Übertreibungen und fremden Narrativen und ist oft mehr Panikmache als Information. Wo die einen Quoten sehen, sehen die anderen eine Projektionsfläche für menschenverachtende Politik. Was ÖVP und FPÖ im Wahlkampf versprochen haben, hat seinen Weg in die Verhandlungsprotokolle zu mittlerweile aufgelösten Koalitionsverhandlungen gefunden.

Gemeinsam planten FPÖVP eine Verfassungsreform, in der ein „klares Bekenntnis zum biologischen Geschlechtsbegriff“ sowie eine „Richtigstellung“ im Bundes-Gleichbehandlungsgesetz gefordert wird. Ergänzend schreiben sie: „Es ist völlig skurril, dass laut Meldegesetz die Auswahl zwischen sechs Geschlechtsbezeichnungen möglich ist. Biologisch gesehen gibt es zwei Geschlechter — [FAMILIE]”

Das Festhalten an zwei biologischen Geschlechtern zeigt sich auch in einem geplanten Bekenntnis zu einer angeblich geschlechtergerechten Formulierung in der Sprache, im Schriftverkehr und in der Schule sowie Schulmaterialien. Es ist auch die Rede davon Verunsicherungen der Kinder in Bezug auf ihr Geschlecht zu verhindern. Am Ende planten FPÖVP auch ein Verbot von Hormonbehandlungen (z. B. Pubertätsblocker) und geschlechtsangleichenden Operationen unter 18 ohne medizinische Indikation. Das stellt sich die Frage, was FPÖVP unter „ohne medizinische Indikation“ versteht – denn diese liegt bei trans Personen ja vor.

Jede einzelne dieser Entscheidungen würde massive Einschränkungen der Lebensqualität von trans Personen und einen Rückschritt für trans und Menschenrechte bedeuten.

Aber Hass gegen uns kommt auch aus den eigenen Kreisen. In den letzten Wochen hatten wir Auseinandersetzungen mit dem FZ Wien. Ein Raum, der ursprünglich während der Frauenbewegungen besetzt wurde und ein sicherer Ort für Frauen sein sollte. Mittlerweile hat der Raum seinen Glanz verloren. Er wird nur mehr von einer kleinen Anzahl an Frauen unregelmäßig genutzt und seit über einem Jahrzehnt hetzt das FZ gegen trans Menschen, verwehrt trans Frauen Zutritt und verbreitet Hass gegen trans und queere Menschen. Dazu sagen wir: trans Frauen sind Frauen, und Cissexismus ist eben auch Sexismus.

Wir fordern ein Ende der Hetze gegen trans Menschen in Politik und Medien!

Wir fordern klare und einheitliche rechtliche Regelungen für trans und nicht-binäre Menschen!

Wir fordern feministische Räume, die wirklich für alle FLINTA*s offen sind!

Wir lassen uns nicht spalten!

Das ist unser aller Kampf. Bildet Banden und schaut auf eure trans cuties.


English Version:

We are demonstrating today because the fight for feminist liberation must be a fight not only for some of us, but for all of us. Every single person here is exposed to patriarchal violence every day. Women, enbies and trans people – let’s fight together. We will not be divided!

We no longer feel safe. Let’s also demonstrate for all those who are invisible – want to be or have to be. We will not be divided! The feminist struggle also applies to trans people, enbies and intersex people.

Let us also demonstrate for all those who cannot or do not want to take to the streets – who lack the strength, spoons, time or access to do so. A common struggle is also important because of and especially for them. We will not be divided!

The reporting about us is based on exaggerations and foreign narratives and is often more scaremongering than information. Where some see quotas, others see a projection surface for dehumanizing politics. What the ÖVP and FPÖ promised during the election campaign has found its way into the negotiation protocols of the now dissolved coalition negotiations.

Together, the FPÖ and ÖVP planned a constitutional reform that called for a “clear commitment to the biological concept of gender” and a “correction” to the Federal Equal Treatment Act. They also write: “It is completely bizarre that the Registration Act allows a choice between six gender designations. Biologically speaking, there are two genders. — [FAMILY]”

The adherence to two biological genders is also reflected in a planned commitment to supposedly gender-equitable language in correspondence and at school, as well as in school materials. There is also talk of preventing children from feeling insecure about their gender. In the end, the FPÖVP also planned to ban hormone treatments (e.g. puberty blockers) and gender reassignment surgery under the age of 18 without medical indication. This raises the question of what the FPÖVP means by “without medical indication” – because this is the case for trans people.

Every single one of these decisions would mean massive reductions in the quality of life for trans people and a step backwards for trans and human rights.

But hatred against us also comes from within our own circles. In the last few weeks, we have been in conflict with the FZ Vienna. A space that was originally occupied during the women’s movements and was supposed to be a safe space for women. In the meantime, the space has lost its luster. It is now only used irregularly by a small number of women and for over a decade the FZ has been denying trans women access and spreading hate against trans and queer people. We say: trans women are women, and cissexism is also sexism.

We demand an end to incitement against trans people in politics and the media!

We demand clear and uniform legal regulations for trans and non-binary people!

We demand feminist spaces that are truly open to all FLINTA*s!

We will not be divided!

This is a fight for all of us. Form gangs and look out for your trans cuties.